Hallo, ich bin Conny 50 Jahre alt und seit April 2011 eine Reitschülerin von Eva.

Eva hat um einen Bericht gebeten dazu muss ich etwas weiter ausholen ;-) .
Es geht um die Entwicklung von Othi, eigentlich Othman al Shatane, ein neunjähriger Berberwallach. Und nicht nur um seine auch meine Reitkenntnisse wurden erweitert und verbessert.
Ich bin erst relativ spät an und auf’s Pferd gekommen, nämlich mit 23 Jahren und habe mir recht schnell ein eigenes Pferd zugelegt. Damals war Monte Leone, ein englischer Vollblüter gerade 4 Jahre alt und frisch von der Rennbahn. Mit ihm habe ich meine ersten Erfahrungen gesammelt und ein „bisschen“ reiten gelernt, er wurde 23 jahre alt.
Zwischenzeitlich ist Fiston, dass Camarguepferd meine Mannes, Opfer meiner Reitbemühungen gewesen, ihn haben wir als Fohlen gekauft und zusammen mit verschiedenen Reitlehrern, eingeritten und ein bisschen ausgebildet.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl zumindest etwas reiten zu können als Othi Ziel meiner Bemühungen wurde. Ihn habe ich als Jährling in Frankreich bei einer Berberzüchterin entdeckt, in Deutschland hatte ich keinen passenden gefunden. Er ist ein tolles Pferd, sehr menschenbezogen, ganz klar im Kopf und recht cool. Bis 3-jährig ist er bei einer Freundin in Aachen aufgewachsen zusammen mit
einem anderen Berberfohlen und einen erwachsenem Lusitanohengst, der ihm gute Manieren beigebracht hat ;-). 3-jährig habe ich zusammen mit Hilfe von 2 Reitlehrerinnen, eine Penquitttrainerin und langjährige Freundin und meine hiesigen Klassikausbilderin, wo ich auch mit Fiston viel gelernt habe, angefangen mit der Grundausbildung. Bodenarbeit, longieren und anreiten. Dann mit 4 Jahren hat die Klassikreitlehrerin Othi 2x die Woche beritten und ich ihn ein bisschen im Gelände - hauptsächlich. Es lief anfangs auch ganz gut. Bis dann meine Reitlehrerin immer weniger Zeit hatte und wir uns viel selbst überlassen waren. Was mir nicht sehr gut getan hat, ich habe Othi nicht genug gefordert, habe es nicht geschafft eine dauerhafte Anlehnung zu erreichen bei der er schön über den Rücken gehen sollte. Othi ist nicht sehr spritzig sondern eher gemütlich und von Fiston war ich anderes gewöhnt, der sehr gut vorwärts geht.
Othi wurde leider immer zäher in der Hand, drückt leider öfter den Unterhals raus und ging immer weniger vorwärts, so dass ich aus dem Kreislauf von immer mehr treiben und gegen die Hand gehen nicht mehr herauskam. Dann bekam er Taktstörungen, lief nicht rein, so dass ich sogar das Gefühl hatte, dass er lahmen würde.


Also fingen die ganzen Untersuchungen an, ich bin aus Angst etwas falsch zu machen immer weniger geritten und wenn dann hauptsächlich im Gelände. Ich hatte 2x einen Ostheophaten da, der auch Tierarzt und Reitlehrer war, der konnte nichts Wesentliches feststellen genauso wenig wie mein Haustierarzt auf den Röntgenbildern und die Phsyiotherapeutin. Auch in der Klinik, wo eine Szintigraphie gemacht wurde gab es keinen Befund, also war Othi gesund :-)).
Nur zeigt er immer wieder diese komischen Taktstörungen, als ob er im Trab eine Galopprolle macht. Laut Klinikarzt sollte ich vernünftigen Muskelaufbau betreiben und dann wäre die Sache geritzt.
Zwischenzeitlich kam noch eine Augenoperation wegen periodischer Augenentzündung dazu und so wurde Othi insgesamt fast 2 Jahre nur so la la geritten.

Dann trat Regina, die früher mit ihrem eigenen Pferd bei Eva Unterricht hatte, als meine neue Reitbeteiligung und mit ihr Eva in mein reiterliches Leben. Es war der richtige Zeitpunkt für mich, denn ich wusste mit Othi nicht mehr weiter und hatte den Spaß am Dressurreiten verloren.

Eva war wirklich ein Glücksgriff, sie ist für mich ein besonderer Mensch, die Chemie zwischen mir, ihr und Othi stimmt total.
Sie hat ein gutes Auge dafür was Pferd und Reiter brauchen.
Dazu kommt noch ihre sehr motivierende Art und Weise den Unterricht zu gestalten.
Und sie ist didaktisch gut, sprich sie kann gut erklären und vermitteln was getan werden soll, damit es besser bzw. überhaupt läuft.
Wie gesagt vor Beginn meines Unterrichtes bei ihr hatte ich ziemlich die Lust am Dressurreiten verloren. Bei Eva habe ich dann gelernt selber lockerer zu sein, lockerer zu sitzen (klappt nicht immer aber immer öfter ;-)) und habe dadurch mein Pferd motiviert wieder mehr vorwärts zu laufen. Anfangs natürlich mit deutlicheren Hilfen, aber eben nicht mehr mit verkrampftem Dauereinsatz von Schenkeln und Gesäß. Anfangs haben wir viel Biegeübungen mit dem Hals an einem Zügel in jeder Gangart gemacht um ihn lockerer zu bekommen, dann langsam die Zügel aufgenommen, dabei versucht das Tempo zu halten ohne viel zu treiben.

Mittlerweile ist Othi recht locker geworden und läuft vorwärts mit aufgewölbten Rücken, was man seiner Muskulatur auch ansiehst. Die
Taktstörung ist seit dem vermehrten Vorwärtsreiten im vorwärts-abwärts nicht mehr aufgetreten, die Hinterhand arbeitet fleißig mit.
Jetzt üben wir weiterführende Dinge, wie Übergänge in allen Gangarten, etwas Seitengänge und immer wieder zur Basis zurück mit Biegungen im Hals, der Galopp klappt auch schon viel besser als früher :-)).

Dank Eva habe ich wieder Spaß an der Gymnastizierung meines Pferdes bekommen, sitze selber lockerer und traue mir und meinem Pferd mehr zu und es entwickelt sich immer mehr eine Leichtigkeit beim Reiten, die mir sehr viel Freude bereitet.

Eva gibt übrigens nicht nur tollen Unterricht sondern sie unterstützt mich auch durch den Beritt meines Pferdes, was uns beiden hilft .-))).

 

Januar 2012

 

 

 

 

2012

2013

2014

 

März 2014

 

Rückblick von Eva:

Als ich Othi ins Training übernommen habe habe ich ein Pferd gesehen, dass permanent mit  sehr festem und hohen Hals gelaufen ist sobald man versucht hat ihn loszulassen. Er hatte nicht gelernt dem Druck des Gebisses zu weichen sondern gegenzudrücken. Ein von hinten nach vorne durchtreten und dadurch wiederum locker an den Zügel kommen war für mich leider nicht zu erkennen. Dadurch, dass Othi sehr fest in der Hand war hatte Conny sich angewöhnt fast permanent Rechts-/Linksparaden zu geben und ihn zuzuziehen. Dadurch wiederum hat Othi, wie man so schön sagt "dicht gemacht". Gegenziehen war seine Antwort und sobald der Zügel nur etwas lockerer wurde hat er versucht ihn seiner Reiterin nach oben aus der Hand zu ziehen. Wodurch er fast permanent mit hohem Hals und weggedrücktem Rücken gelaufen ist. Vorwärts abswärts war gar nicht dran zu  denken und auch der Vorwärtsgang insgesamt hatte stark gelitten. Da Conny das Gefühl hatte immer treiben zu müssen ist ihr Sitz sehr fest geworden. Auch auf die Gerte hat Ohti nur noch mit Kopfhochreissen reagiert. Connys Ausweg war, nur noch ins Gelände zu gehen.

Wir hatten also mehrere Baustellen gleichzeitig ;-) .

Alles überlagernd haben wir daran gearbeitet Connys Sitz immer wieder zu lockern, sowohl im Becken, den Beinen als auch die Hände. Othi sollte es angenehm sein, seine Reiterin auf dem Rücken zu tragen. Sie musste lernen nicht mit ihrem Kopf sondern mit ihrem Gefühl zu reiten. D.h. einfach mal ganz ruhig sitzen und gucken was er ihr freiwillig an Tempo und Kopfhaltung anbietet. Und dann gezielt an dem arbeiten was sie verbessern wollte. Es nicht erzwingen, sondern sich Gedanken machen wie sie mit Othi auf leichtere Art, als in der Vergangegnheit, klar machen könnte, was sie gerne von ihm hätte. Viele verschiedene Übungen reiten und dadurch seine Durchlässigkeit zu verbessern. Auch mal, gerade anfangs, 5 gerade sein zu lassen. Rechts-/Linksparaden wurden fast komplett abgeschafft. Sie musste lernen Othi die Zeit zu lassen den Weg (über das Herantreten mit der Hinterhand) zum Zügel zu finden.

Das Zweitwichtigste war, dass sie Othi das Vertrauen in die Reiterhand wiedergeben musste. Sie musste ihm zeigen, dass es angenehm sein kann den Kopf nach unten zu nehmen und sich einfach mal fallen zu lassen. Denn erst mit dem Vorwärts/Abwärts hatten wir die Chance ihn irgendwann locker ins vorwärts aufwärts zu führen. Die ersten Wochen ging es daher kaum an den Zügel, wenn dann nur zum Runterführen des Pferdes.

Da sich bei Conny bei mehreren Reitern in der Halle etwas unwohl fühlte, da sie Othi nicht richtig dirigieren konnte wurde das Gelände für sie als große Reitbahn erklärt :-) . Auch dort musste sie ab sofort ihre Übungen machen, was sie auch fleißig getan hat.

Mit der Zeit hat sich alles deutlich gebessert :-) !!!!

Sind wir anfangs auch immer mal wieder auf "stärkere" Gebisse umgestiegen um Conny überhaupt mal zu ermöglichen ruhig zu sitzen und locker zu lassen, reitet sie ihren Othi heute fast ausschließlich mit Wassergebiss. Conny ist eine wirklich gute Reiterin, die einen schönen Sitz hat, wenn sie locker lassen kann. Sie hat ein gutes Gefühl entwickelt ihren Othi mit Körpersprache in die einzelnen Gangarten und Lektionen wie Traver, Renvers, Schenkelweichen, Traversalen, ... zu führen. Ab und zu driftet sie noch mal in "Kraft" ab, erkennt das aber selbst sofort und arbeitet dann wieder an ihrer Lockerheit.

Othi danke es ihr sehr, dass sie ihm die Zeit lässt an den Zügel/die Hand heranzutreten und dadurch wird seine Nachgiebigkeit deutlich besser und vor allem williger. Man sieht und die Reiterin spürt, dass er den Rücken anhebt. Die Gerte, wenn man sie dann einsetzt, korrigiert und heißt nicht mehr Kopf hoch reißen. Er gibt sein Bestes.

Man muss aber auch erkennen, dass er nicht DER Vorwärtsgänger ist, und das akzeptieren lernen! Ein Berber ist nicht zur Dressur gezüchtet worden. Seine Eigenschaften sind Menschenbezogenheit, Gutmütigkeit, Nervenstärke, ... Was nicht heißt, dass er nicht schöne Dressurlektionen gehen kann. Othi ist ein tolles Pferd, der neben seinen Rassemerkmalen und einem Äusseren auch durch seinen 1A Charakter besticht.

Wir sind noch nicht am Ziel unserer Reise angekommen, aber der Weg zum Ziel macht heute sowohl Conny, als auch Othi, deutlich mehr Spaß als früher und ich freue mich, dass ich heute die nachfolgenden Fotos einstellen kann ;-) .

Wollt ihr mehr von Othi sehen, dann müsst ihr euch die Bildergalerie angucken und die Events von 2013 ;-) .