Bodenarbeit

Hier stellt sich die große Frage:


Was ist Bodenarbeit?

Was verstehst du unter Bodenarbeit?

 

Für den einen ist es der Spaziergang um den Hof, für den anderen die perfekte Freiarbeit mit seinem Pferd bis hin zu den zirzensischen Lektionen.

 

Beide Einstellungen sind richtig. 

 

Für uns fängt Bodenarbeit an sobald wir zu unserem Pferd in den Stall kommen (oder zu unseren Beritt-/Trainingspferden) und hört auf, wenn ich dieses wieder verlasse.

 

Bodenarbeit ist für uns nicht nur die Arbeit an der Hand wie z.B Schritt, Trab, Galopp neben mir, sondern es fängt schon mit viel Banalerem an:


-das ruhige Anlegen lassen des Halfters.

(Habe ich ein sehr großes Pferd, bringe ich ihm bei den Kopf auf eine angenehme Höhe zu senken, damit ich es einfacher aufhalftern kann. Das ist für beide Seiten angenehmer.)  

 

- das Runterführen von der Weide

 

- das Stillstehen beim Putzen

 

- das ruhige neben mir her gehen auf dem Weg zur Halle oder zum Platz

 

- das ruhige Stehen wenn ich über die Aufsteighilfe aufsteigen möchte, ...

 

Ziel ist natürlich die perfekte Freiarbeit!

 

 

 

Das Pferd soll mir an einem unsichtbaren Band überall hin folgen.

Ein Ziehen am Strick oder Zügel gehört also nicht dazu. 

Es soll meine Körpersprache verstehen und sich auf leiseste Kommandos dirigieren lassen.

Oft reicht schon eine halbe Körperdrehung oder ein Fingerzeig.

 

Neben den tollen Momenten die man mit einer guten Bodenarbeit erlebt (wenn das Pferd z.B. frei neben einem her galoppiert angepaßt an das eigene Tempo. Oder seitwärts tritt nur weil ich seitwärts trete, es nach rechts geht nur weil ich nach rechts zeige, ...) ist sie auch immer wieder eine hervorragende Möglichkeit das Pferd auf die Arbeit unter dem Sattel vorzubereiten. Die Arbeit am Boden sollte immer so ausgeführt werden, dass man beim Reiten darauf aufbauen kann.

Sie erweitert aber auch die Vielfältigkeit sich mit seinem Pferd zu beschäftigen. Denn wir kennen das alle, dass wir mal keine Lust zum reiten haben, oder aus gesundheitlichen Gründen nicht reiten können. Oder unser Pferd darf nicht geritten werden. 

Dann ist Bodenarbeit eine wunderbare Möglichkeit sich sinnvolles mit dem Pferd zu beschäftigen, denn ...

 

... mit der Bodenarbeit habe ich jeder Zeit die Möglichkeit die Akzeptanz meiner Dominanz seitens des Pferdes abzufragen. Die Pferde checken permanent unsere Kompetenz ab, ob sie uns vertrauen können. Das ist ihnen von der Natur so vorgegeben. Das Pferd ist ein Fluchttier - vertraut es seinem "Führer/Reiter" nicht, so wird es sich seinen eigenen Weg aus der einen oder anderen Situation suchen. Es ist mir durch eine sinnvolle Bodenarbeit möglich dieses Vertrauen herzustellen und zu verstärken.

 Sollte es Dominanzprobleme geben, so ist es immer sinnvoll diese erst mal am Boden zu klären bevor ich mich auf mein Pferd setze.


Dazu muss man natürlich erst einmal erkennen was ein Dominanzproblem ist.

Vielleicht helfen wieder ein paar Fragen:


Geht mein Pferd zügig mit mir in meinem Tempo mit oder muss ich es hinter mir her ziehen?

Bleibt mein Pferd neben mir wenn ich antraben möchte oder bleibt es einfach im Schritt/rennt es los?

An welcher Position geht mein Pferd und was bedeutet das?

Hält es meinen persönlichen "Wohlfühlabstand" ein?

Respektiert es meinen Körper und meine Körpersprache?

Ist es aufmerksam meiner Körperbewegungen gegenüber?

Nimmt es den Kopf runter wenn ich einen Druck aufs Genick ausübe?

Rempelt mich mein Pferd zur Seite wenn es an sein Futter möchte?

Bleibt es auch ohne festgehalten zu werden an der Stelle stehen an die ich es abstelle?

usw...

 

Vielleicht findet sich der eine oder andere ja in den o.g. Fragen wieder. Wir könnten hier noch eine Menge mehr Fragen stellen. Als Grundsatz gilt, wenn ich das Gefühl habe mein Pferd in gewissen Situationen nicht mehr führen zu können, es also seinen eigenen Weg sucht, dann besteht definitiv ein Dominanzproblem. Wie groß dieses Problem dann wird hängt von dem Selbstbewußtsein des Pferdes ab und der Willigkeit des Menschen daran zu arbeiten.

 

Schon mit kleinen Übungen kann man beim Pferd große Wirkung erzielen!

 

Man muss nur wissen wie und es dann auch wollen, denn -

 

Bodenarbeit ist Fleißarbeit !

 

 

 

Hier ein paar Anregungen in bildlicher Form:

 

Die ersten drei Bilder zeigen euch die unterschiedlichen Führpositionen.

Gehe ich deutlich vor dem Pferd, lasse das Pferd hinter mir gehen, übernehme ich die Führung. Diese Position fordere ich von dominanten Pferden. Für diese entscheide ich mich aber auch, wenn mein Pferd z.B. Angst hat an etwas vorbei zu gehen. Dann kann es sich an mir anlehnen. Sieht es, dass mir nichts passiert wird es mir folgen. Pferde, die ängstlich sind oder sich gerne unterordnen gehen freiwillig in diese Position.


Gehe ich neben dem Pferd, dann gebe ich ein Teil meiner Führung ab und fordere dadurch ein wenig mehr seiner Aufmerksamkeit. Diese Position ist die wohl gängigste im täglichen Umgang. Die meisten Pferde "gucken" gerne mit. Es ist die Position eines normal selbstbewussten Pferdes. Für uns Menschen ist diese Position angenehm, da wir das Pferd immer im Blick haben. Diese Position trainiere ich mit Pferden die ängstlich sind um ihnen mehr Selbstbewusstsein und Mut anzutrainieren. 


Gehe ich deutlich hinter dem Pferdekopf, dann überlasse ich die Führung meinem Pferd (natürlich dirigiere ich es trotzdem richtungs- und tempomäßig). Das ist sicherlich die schwierigste Führposition. Da diese Position dem Pferd den meisten Freiraum für eigene Entscheidungen bietet nehme ich diese mit einem sehr dominanten Pferd nur ein, wenn das Verhältnis zwischen uns ganz klar ist. Damit kann ich aber auch einem ängstlichen oder auch abgestumpften Pferd mehr Mut bzw. Aufmerksamkeit abverlangen, da ich es in die Führerposition bringe.


 

Im weiteren Verlauf seht ihr Seitengänge an der Hand oder in der Freiarbeit. Guckt euch die Bilder mal genau an, dann erkennt ihr sicherlich sofort, dass alle Führer im Gleichschritt mit ihrem Pferd arbeiten. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen bekommt man ein Gefühl für den Raumgriff meines Pferdes in den einzelnen Gangarten. Dazu hilft es z.B. das Abfußen oder Auffußen der Hinterbeine zu wissen ohne, dass ich hingucken muss. Das hilft mir u.a. sehr bei den Seitengängen. Nehmen wir den Seitengang nach rechts im Schritt, das Pferd ist rechts von mir, wie unten auf den Fotos zu sehen, dann weiß ich, wenn ich mein rechtes Bein paralell zum rechten Vorderbein meines Pferdes "auffuße", dass als nächstes das linke Hinterbein des Pferdes abfußt. Dieses kann ich genau dann in der (optimalen) "Abfuß"-Phase mit der Gerte unterstützend seitwärts führen - sofern notwendig. 


Jede unserer Bewegungen und Hilfen sollte in den Bewegungsfluss des Pferdes einfließen, ihn lenken und führen und nicht behindern.


Ihr findet noch einige weitere Anregungen was die Bodenarbeit betrifft in den nachfolgenden Bildern. Auch ein Spaziergang (siehe letztes Bild) ist Bodenarbeit.

Zur Zeit haben wir die Kontaktseite von unserer Homepage genommen, da wir beide leider keinerlei Kapazitäten haben weiteren Interessierten Unterricht zu erteilen oder Pferde in Beritt zu nehmen.

 

Wir freuen uns aber, wenn ihr Spaß habt immer mal wieder auf unserer Seite vorbei zu schauen :-) .